Dienstag, 31. Januar 2012

ACTA SOPA PIPA: Meine Meinung (solange ich sie noch sagen darf)

Durch SOPA und PIPA ist ein eher altes Konzept, welches bis lang mehr oder weniger hinter verschlossenen Türen entwickelt werden konnte jetzt an die Oberfläche und ins Zentrum des allgemeinen öffentlichen Interesses gedrückt worden: ACTA.
ACTA (Anti Counterfeiting Trade Agreement) ist das Europäische Gegenstück zu SOPA und PIPA, welches durch eine deutlich längere Entwicklungszeit vermutlich deutlich besser ausgearbeitet ist. Darüber soll im Europaparlament entschlossen werden und es hätte das Potential nicht nur das Internet, sondern die ganze Industrie umzukrempeln und politische Macht in die Hände eines jeden Bürgers, der genügend Rechtsbeistand besitzt zu legen. Das Abmahnverfahren, wie es in Deutschland jede Innovation seit Jahren erfolgreich verstümmelt bekäme damit eine rechtliche Grundlage, die den Weg über ein Gericht unnötig macht. Zudem würden private bei Verdacht die Möglichkeit der Überwachung anderer rechtlich zugesichert bekommen. Ja, da hört dann plötzlich nicht nur der Staat zu, sondern auch Frau Müller von nebenan, die vermutet, dass du ihr Kochrezept geklaut hast, welches sie hat schützen lassen, und Herr Meier von Sony, der dich im Verdacht hat was illegales heruntergeladen zu haben und Herr Schulz vom Landwirtschaftsverbund, der glaubt, dass deine selbst angebauten Kartoffeln eine Gefährdung seines Schutzsiegels ist und Frau Schmidt, die glaubt, dass deine Hausmittelchen illegale Medizin ist... etc. Die alle würden rechte bekommen, die Ihnen nicht zustehen dürfen.
Glücklicherweise hat das Europaparlament offenbar wenig große Lust über ACTA abzustimmen, da sie wüssten was dann vor ihren Türen los wär. Der Rückschlag den SOPA und PIPA haben hinnehmen müssen war ja mehr als eindeutig und ich glaube nicht dass ACTA in der kommenden Zeit auf dem Tisch liegt, zumal die Europäischen Politiker nicht ganz so öffentlich eingekauft sind wie die der USA und somit keine öffentlichen Drohungen zum Geldentzug die Segel zwischen Moral und System flattern lassen würden ( http://www.foxnews.com/politics/2012/01/19/exclusive-hollywood-lobbyist-threatens-to-cut-off-obama-2012-money-over-anti/ ). Aber wir wissen ja alle, das die USA keine Demokratie haben, also ist es kein gutes Beispiel.
Dennoch, dass solche Gesetze in den Gedanken von Betreibern verkalkter Geschäftsmodelle herumschwirren zeigt eindeutig dass etwas früher oder später passieren muss. Eine Seite muss nachgeben und mit diesem nachgeben wird das Brechen von Konventionen einhergehen.

  • Bricht die Musik und Film Industrie etc., dann gewinnen wir alle. Vielleicht sehen sie dann ein, dass neue Geschäftsmodelle her müssen, dass Sie ihre Absatzstrategieren überdenken müssen, dass sie aufhören sollten ihre Kunden zu foltern um gegen Piraterie anzustinken. Die Welt gewinnt.
  • Brechen die Bürger, dann verlieren wir alle. Orwells "1984" und Huxleys "brave new world" werden dagegen wie wundervolle Utopien wirken. Was in Nordkorea und China an der Tagesordnung ist wird bald lachhaft werden. Die Kontrolle wird von einigen wenigen durchgedrückt und die Technologie das alles sehr weit zu treiben ist absolut vorhanden. Das wäre eine Welt wie Hollywood, Viacom, Sony, Apple etc... sie sich vorstellen und so ziemlich das Ende der Innovation und Evolution von Forschung, Gewerbe, Industrie, Kreativität und Fortschritt.


Ja, gegen Piraterie muss etwas gemacht werden, das sehe ich absolut ein - aber nicht so was. Anstatt zum Anwalt zu rennen sollte man sich lieber über die Beweggründe Gedanken machen. Warum gibt es Piraterie?
Ja, es gibt Menschen, die das als Herausforderung ansehen, oder einfach nur pure kriminelle Energie besitzen. Die wird es immer geben und wenn so ein Gesetz sich durchsetzt werden das Volkshelden und Märtyrer. Aber das betrifft nur einige wenige, was ist mit dem großen Rest? Mit denen, welche die Firmen unnachgewiesene 5-10 mio. USD im Jahr kosten (was den Gewinn einiger Studios übrigens unreaslistisch hoch werden lassen würde - daher stimmen die Zahlen absolut nicht und stehen nur als Argument für etwas, dass die Industrie gar nicht wirklich interessiert)?

Nunja, die machen das aus den unterschiedlichsten Gründen. Manche, weil es so einfacher zugänglich ist, manche, weil der Film oder das Lied nicht mehr zum Verkauf steht und das der einzige Zugang ist, manche um Geld zu sparen, manche um ein Produkt vor dem kauf erst mal anzusehen, manche aus Langerweile, manche vielleicht sogar aus versehen.
Was wäre wenn man die Produkte genau so leicht legal zugänglich machen könnte, wie illegal?
Ein Beispiel:

Ich habe mit kurz vor Weihnachten das Spiel "Serios Sam 3 BFE" gekauft. Das Spiel ist für den PC und muss über die Online-Plattform "Steam" registriert werden um Spielbar zu sein. Nach der Installation des Spiels hatte ich nun die Möglichkeit das Spiel für mich zu registrieren. Die Daten lagen nun verschlüsselt auf meiner Festplatte und mussten nun durch den von Steam herunterzuladenen Schlüssel zu lesbaren Dateien gewandelt werden. Der gesamte Vorgang des registrierens, des Herunterladens des Schlüssels und des entschlüsseln hat sage und schreibe 6 Stunden gedauert. Ich musste also um das Spiel legal zu besitzen:
- In ein Geschäft gehen (Wegzeit ca 30 Minuten)
- das Spiel suchen, holen und mich an der Kasse anstellen (ca. 10 Minuten)
- 60 € bezahlen
- nach hause gehen (ca. 30 Minuten)
- das Spiel installieren (ca. 5-10 Minuten)
- mich bei Steam einloggen (durch ewige Serverschwächen ca. 10 Minuten)
- Das Spiel registrieren (ca. 6 Stunden)
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Gesamt: ca. 7 Stunden 30 Minuten und 60€ und ich kann es nur auf einem einzigen Rechner mit mir selbst spielen wenn ich online bin und bei Steam eingelagt bin, wo dann auch gleich mein kompletter Fortschritt und meine Spielweise öffentlich ins Internet gestellt wird...

Hätte ich es illegal besorgt, dann hätte ich es vermutlich nach kurzer Zeit mit allen Freunden gemeinsam spielen können ohne mich irgendwo anzumelden oder zu registrieren und ohne das Haus zu verlassen.

Und das ist was falsch läuft. Es ist so viel schwerer und umständlicher an legales heranzukommen und man hat konstant das Gefühl von den Herstellern dafür bestraft zu werden, dass man von ihnen was kauft.
Wie kann man es richtig machen? Nun, man hatte es mal richtig gemacht. Es gab mal Zeiten in denen man ein Spiel einfach kaufen und Spielen konnte. wenn man dass jetzt noch mit einem Onlineabsatzmarkt wie etwa Amazon verbinden würde, dann hätte man endlich Chancen gegen Piraterie anzugehen.
Ein modernes mediales Geschäft muss einfach auf Kundenwünsche eingehen und es dem Kunden so schmackhaft wie möglich machen. Beispiel:

Batman Arkham City bietet dem Käufer eines neuen Produkts kostenlos herunterladbare Zusatzmissionen und eine weitere Spielfigur. Wer es gebraucht kauft oder illegal saugt, der hat keinen Zugriff auf diese Features. So steht es jedem offen und siehe da: das Spiel verkauft sich. Das herunterladen geht schnell und problemlos mit einem Code und auf geht's in den Spaß. Die Einkaufszeit braucht man zwar immer noch, aber jetzt habe ich einen Grund es zu tun.

Die Produzenten wissen um diesen Effekt, trotzdem ist es ihnen egal. Trotzdem wollen sie Ihre Kunden zwingen Dinge so zu tun wie sie es wollen. Das ist in der Geschäftswelt selten gut gegangen aber jetzt ziehen viele Zweige an einem Strang und deswegen muss auch der Rest der Welt an einem Strang ziehen.

Hier geht es nicht um "die bösen Großkonzerne", denn die haben damit großteils wenig zu tun. hier geht es nicht um den "bösen Kapitalismus", denn dies Widerspricht dem Grundgedanken des Kapitalismus. Hier geht es um Macht und Machtbesessene. Um einige Wenige, die vor dem Problem stehen, dass sie ihre Macht nur ausweiten können wenn sie kontrollieren dass auch jeder ihnen huldigt. Überwachen, Kontrollieren und mit Strafen drohen ist nur dann nötig wenn man sich in seiner Position bedroht sieht; und solange ein Herr Redstone und ein Herr Dodd Scarface spielen können ohne wirkliche Geschäftsmänner zu sein wird es auch weiterhin diese unbegründete Angstbeißerei geben. Die Generation ist am aussterben, aber wenn ich sehe wie manche sich durch die Unis schummeln nur um mit einem Abschluss einen guten Job zu bekommen, dann weiß ich, dass es danach nicht unbedingt besser wird. Versuche wir also klare und unmisverständliche Zeichen zu setzen. In der heutigen Zeit sollte niemandem mehr der Mund verboten werden und geschäftliches sollte nach echten Geschäftsregeln und nicht nach der Anzahl von Rechtsanwälten geklärt werden (ja, es kann einem in der Tat so vorkommen, dass man die Geschäftspraktiken eines Unternehmens an der Größe seiner Rechtsabteilung erkennen kann).

Stoppt ACTA: http://www.avaaz.org/de/eu_save_the_internet_spread/